2012: Mut zum Selberdenken

Im Alter von über 70 – im Internet wird manchmal meine Generation auch „Kompostis“ genannt – beschäftige ich mich schon seit längerem mit dem Thema „aktiv und selbstbestimmt alt zu werden“. Siehe auch>>

Zu einer wichtigen Einflussgröße gehört meiner Meinung auch die Lust am Selberdenken. Dazu möchte ich Euch die Titelgeschichte in Publik-Forum, Nummer 22, 18. November 2011, Seite 30 ans Herz legen: Doris Weber, Die Lust am Selberdenken. Zum Artikel>>

Ein Besuch beim Biochemiker und Gentechnik-Kritiker Erwin Chargaff in New York Mitte der 1990er-Jahre soll die Autorin angeregt haben, über die Abhängigkeit unserer Gesellschaft von Experten zu recherchieren. Sie warnt vor allzuviel Ehrfurcht vor den Experten:

 »Es ist ein vollkommener Irrtum anzunehmen, dass jemand, der sich als Experte ausweist, neutrale Informationen bereitstellen würde. Kein Politiker gibt jemals neutrale Informationen, kein Experte gibt jemals neutrale Informationen. Denken wir an das Beispiel Atomenergie: Spätestens seit Tschernobyl ist klar, dass Atomenergie eine nicht beherrschbare Technologie darstellt. Fukushima hat es erneut gezeigt. Es ist also vollkommen egal, welche Armeen von Physikern uns jetzt ihre Expertenmeinung dafür oder dagegen mitteilen. Der Sachverhalt liegt längst glasklar auf dem Tisch. Und als denkender Mensch muss ich sagen: Diese Technologie ist nicht beherrschbar, das Risiko ist zu groß. Und Tschernobyl und Fukushima lehren uns, wohin uns das sogenannte Expertenwissen geführt hat. Experten sind Leute, Souffleure, die lediglich Stichworte liefern für übergeordnete Interessen.«

Sie meint:

»Wer den Vereinfachern seinen geistigen Raum überlässt, wer keinen eigenen Gedanken wagt, riskiert auch keinen Fehler, keine Spannungen und Widersprüche. Das macht das Leben sinnlos und langweilig.«

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